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Oktober 2020

Nachhaltigkeit und Corona: Sauber durch die Krise

In Krisen wie dieser bleibt keine Anlageklasse ungeschoren. Allerdings konnten viele nachhaltig orientierte Unternehmen und Fonds ihre Verluste begrenzen und stärker von der folgenden Erholung profitieren. Warum das Thema Nachhaltigkeit darüber hinaus gerade jetzt für Anleger spannend ist, erklärt Christopher Sättele von Fondsbroker.

Nachhaltigkeitskriterien gewinnen in 2020 immer mehr an Bedeutung, wenn es darum geht, Unternehmen zu beurteilen. So kamen nachhaltig wirtschaftende Unternehmen vergleichsweise gut durch die Corona-Krise und Themen wie Wasserstoff und erneuerbare Energien gehören zu den wichtigsten Megatrends des Jahres. Dass hiervon auch Anleger direkt profitieren können, beweisen aktuell Nachhaltigkeitsfonds. 

Zwar verzeichnen beinahe alle Anlageklassen bei Krisen dieses Ausmaßes zwischenzeitlich Verluste, also auch nachhaltig orientierte Unternehmen und Fonds. Allerdings konnten diese ihre Verluste strukturell begrenzen.

Während des Höhepunktes der Krise, im März 2020, verlor etwa der MSCI World 13,2 Prozent, der nachhaltige SRI-Index hingegen nur 10,8 Prozent. Gleichzeitig konnten sie auch von der folgenden Erholung überproportional profitieren. 

Warum? Besonders betroffene Sektoren, wie Energie, Rohstoffe, Tourismus und Transport, werden in vielen Nachhaltigkeitsfonds und -indizes kaum berücksichtigt. Außerdem dominieren defensive und nicht-zyklische Werte (unter anderem Gesundheit und Basiskonsum), die ihre Erträge stabil halten konnten. 

Da passt es doch, dass der EU-Aktionsplan für die Finanzierung nachhaltigen Wachstums zügig voranschreitet. Am 10. März 2021 soll eine entsprechende Offenlegungsverordnung in Kraft treten. Anstatt die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards aufzuerlegen, sieht sie nur einheitliche Offenlegungspflichten vor und baut im Ergebnis auf den öffentlichen Druck der Investoren und der Gesellschaft an sich: Fondsmanager müssen dann darlegen, wie mit Nachhaltigkeitsrisiken und Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren umgegangen wird.

Dies soll nur eines der Mittel sein, um die sehr ambitionierten Ziele des Pariser-Klima-Abkommens umzusetzen. Und es benötigt auch eine Menge Geld, um bis 2030 Treibhausgas-Emissionen und Energieverbrauch zu senken sowie erneuerbare Energien zu fördern. Geld, für das die EU-Töpfe allein nicht ausreichen. 

Brüssel schätzt die Finanzierungslücke pro Jahr auf 175 bis 290 Milliarden Euro. Um diese gewaltige Lücke zu schließen, will die EU die Finanzindustrie in die Pflicht nehmen. Die Idee: Investitionen sollen mit Nachdruck in nachhaltige Technologien und Industriezweige umgelenkt werden. Darüber hinaus will man Nachhaltigkeitsfaktoren im Risikomanagement verankern sowie Transparenz und Langfristigkeit fördern. 

Was auf den ersten Blick recht vage klingt, hat in Form von Gesetzesvorschlägen längst konkrete Formen angenommen. Die Regulierung kommt – allein schon deshalb, weil die EU kaum andere Möglichkeiten hat, ihre selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen. Mit keiner anderen Stellschraube im Brüsseler Handwerkskasten lassen sich so große Geldsummen in Richtung nachhaltige Wirtschaft bewegen. Und Deutschland – so will es die Bundesregierung – sogar der führende „Sustainable Finance“-Standort in Europa werden.

Die gesetzlichen Vorgaben – durch Vorgaben für Berater, Einführung von Öko-Labeln und ESG-Indizes – könnten für eine zusätzliche Nachfrage bei entsprechenden Unternehmen und damit für Kursgewinne sorgen. Anleger und Fondsmanager, die solche Werte jetzt schon allokieren, könnten zukünftig die großen Nutznießer einer solchen Regulierung sein.

Es ist zu erwarten, dass auch die Anzahl an nachhaltigen Anlagefonds weiter steigt. Zu Beginn des Jahres 2018 ging der Report „Global Sustainable Investment Review“ in den fünf wichtigsten Anlagemärkten weltweit von einem nachhaltigen Anlagevermögen im Volumen von 30,7 Billionen US-Dollar aus. Das bedeutet einen Anstieg von 34 Prozent gegenüber 2016. 

Nachhaltig Investieren hat demnach in jeder Region einen beträchtlichen Anteil des professionell verwalteten Vermögens erreicht – von 18 Prozent in Japan bis 63 Prozent in Australien und Neuseeland. Es liegt auf der Hand, dass nachhaltige Investitionen eine wichtige Kraft auf den globalen Finanzmärkten darstellen“, heißt es in dem Report.

Fazit: Nachhaltige Unternehmen zeigen sich bisher robust in der Krise. Und nicht nur ausgewiesene Nachhaltigkeits- Fonds berücksichtigen inzwischen ESG-Kriterien. Immer mehr Gesellschaften und Fondsmanager legen teils sehr strenge Kriterien für ihre Anlagen fest und profitieren aktuell von dieser Entscheidung. Nachhaltige Investments sind aber nicht nur bei Verbrauchern im Trend, sondern werden zukünftig auch immer stärker durch die Politik gefördert. Anleger sollten trotzdem nicht blind den Marketingaussagen von Produktanbietern Vertrauen schenken. Wo „Sustainable“ draufsteht, sind leider nicht immer auch wirklich nachhaltige Unternehmen drin. Eine Analyse der Anlagekriterien und des Portfolios bleibt auch in Zukunft notwendig.


 

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Bild: Shutterstock 

Copyright/Quelle/Zuerst erschienen bei: https://www.netfonds.de

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